Familie Kleinschuster

Es war einmal … ein Landwirt und Schweinezüchter in Fürstenfeld, der seine Liebe entdeckte: Einmal für Christine Weinseiß aus Burgau, und das andere Mal für den Weinbau:
Herbert Kleinschuster. „Learning by doing“ war angesagt (in vielerlei Hinsicht), zunächst begannen die beiden ganz im Kleinen: Die zwei Zimmer Wohnung in Fürstenfeld wurde 1973 kurzerhand in einen Buschenschank umfunktioniert: Drei Tische für die Gäste, deren Hunger mit Brettljause, Käse- und belegten Broten gestillt wurde, harmonisch begleitet von Landwein in Weiß und Rot sowie Apfelsaft.

In den ersten Jahren waren die Weingärten nur zugepachtet, 1990 folgte die Anlage von Eigenflächen. Aus dem Erdkeller, bestückt mit Holzfässern, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Weinverarbeitungsbetrieb, der sich heute auf dem letzten Stand der Technik befindet: Presshaus, automatische Steuerungen und moderne Filter, neue pneumatische Presse mit Zentralbefüllung Stahltanks, Flaschenlager und - natürlich - auch immer noch gute alte Eichen- und Akazienfässer – finden sich hier genauso wie einige Barrique-Fässer (kleine „Spielerei“ von Sohn Thomas Kleinschuster).

Für das leibliche Wohl nicht zu vergessen, die wirklich „glücklichen“ Schweine, die in Fürstenfeld in Freilandhaltung heranwachsen und deren Fleisch, zu höchster Qualität verarbeitet, die Gaumen der Gäste erfreut.

Nun zum Buschenschank am Ufer des Lobenbaches: Dieses außergewöhnliche Plätzchen war im 19. Jahrhundert der Sitz einer Mehlmühle und eines Wasserkraftwerks mit Sägewerk. Schon im Jahre 1885 versorgte es ganz Rohrbrunn und Deutsch Kaltenbrunn mit Lichtstrom. Auch ein Ziegelwerk wurde hier betrieben. Viele Jahrzehnte lief alles wunderbar, doch dann kam der Krieg: Alles wurde zerstört, der Müller fiel.

Adolf Weinseiß, der Großvater von Thomas Kleinschuster, übernahm das Gelände. Nutzung nach Wiederaufbau nur mehr für den Eigenbedarf.Christine, die jüngste seiner drei Töchter, übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb in Burgau, der sich ebenfalls mit Schweinemast befasste. Mit Herbert Kleinschuster fand sie ihre ideale Ergänzung und entdeckte den Weinbau, der fortan eine große Rolle spielte. Der Buschenschank in Fürstenfeld, der immer noch aus der Haushaltsküche heraus bewirtschaftet wurde, wurde ausgebaut:

Ein Buschenschankraum mit 60 Sitzplätzen wurde geschaffen. Der Vater, Herbert Kleinschuster, hatte auch schon die Produktion von Qualitätswein in Angriff genommen. Und so verwöhnten Christine und Herbert Kleinschuster über zwanzig Jahre lang ihre Gäste mit hausgemachten Produkten in ihrem Betrieb in Fürstenfeld.

Der idyllische Platz am Lobenbach, die alte Mühle, war in der Zwischenzeit dem Verfall preisgegeben. Die Kraft des Wassers tat ihre Wirkung, das alte Mühlengebäude war unterspült und drohte einzustürzen. Die Idee, hier, an diesem einzigartigen Ort einen modernen Buschenschank zu errichten, wurde geboren. So begann der Neubau im Jahr 1994.

Am 19. Juli 1996 wurde das neue Gebäue am Ufer des Lobenbachs eröffnet.160 bis 170 Sitzplätze im Sommer, wenn der gemütliche Garten einlädt, stehen seither zur Verfügung. Und der Gästeansturm ist, damals wie heute, enorm. Seit 1996, nach Abschluss der Matura, steht Thomas Kleinschuster voll und ganz im Familienbetrieb. Seit April 2010, der Pensionierung seiner Eltern, zeichnet er auch dafür verantwortlich: „Eigentlich wollte ich Handelswissenschaften studieren, bin dann aber irgendwie daheim hängen geblieben“, lächelt der heimatverbundene Winzer. Ein Familienbetrieb wie aus dem Bilderbuch, jeder, von der Oma bis zum Enkel, hat seinen Platz und seine Aufgabe: Vater Herbert bäckt täglich frisches Brot, Mutter Christa sieht in der Küche nach dem Rechten, Thomas ist für die Gäste da und die Oma sorgt für Nachschub bei gekochten Eiern, Bohnen und gefalteten Servietten. So ist einreibungsloser Ablauf gewährleistet – ein eingespieltes Team!

2001 fand ein weiterer großer Umbau statt: Der alte Wirtschaftstrakt wurden abgerissen und neu aufgebaut. Kühlräume, Wirtschaftsküche, Flaschenräume, Reiferäume und Aufarbeitungsräume, Selche, usw. wurden auf dem neuesten Standard der Technik errichtet.

Im Dachgeschoß fanden vier Doppelzimmer für den Fremdenverkehr Platz, die 2004 ihrer Bestimmung übergeben wurden.2007 wurden außerdem zwei Hektar Weingarten neu angelegt, was das Hauptaugenmerk auf den Weinbau besiegelte.

Verschiedene Ausbildungen im Bereich der Gastronomie (Konzession Gastgewerbe), Marketingkurse, Praxiserfahrungen in Stift Göttweig, Kellereikurse usw. bestimmten den Werdegang des Thomas Kleinschuster. Schlussendlich bleibt die Liebe zum Wein, die aus seinem Herzen kommt:  „Ich habe es sozusagen ‚autodidakt’ zur Produktion von Qualitätswein geschafft“, freut sich Thomas Kleinschuster. „Wichtig ist, dass einfach die Qualität stimmt und unsere Kunden und Gäste zufrieden sind!“, so der Jungwinzer.

Welschriesling, das Resche und Fruchtige, das die hiesigen Lehmböden hervorbringen, begeistert die Weinliebhaber, damals wie heute. Weißburgunder und Morillon, der „steirische Chardonnay“ entzücken die Gaumen. „Ich habe versucht, den Weinliebhabern eine große Sortenpalette zu bieten“, so Thomas Kleinschuster. Mit Cabernet Sauvignon oder dem Cuvée Merum, der lieblich ausgebaut ist, sollen alle Geschmäcker auf ihre Kosten kommen.
Energie und Tatendrang zeichnen den jungen Winzer aus, der voller Pläne steckt: Eine Vinothek soll das Ambiente in Burgau bereichern. „Ich könnte mir dort dann auch Events mit Musik vorstellen“ plant Thomas Kleinschuster ein weiteres attraktives Angebot für die Region.
Auch im Betrieb in Fürstenfeld ist eine Vinothek und ein Flaschenlager sowie ein Abhof-Verkauf geplant. Bruder Andreas Kleinschuster, der hier ansässig ist, hat sich der Kunst des Schnapsbrennens verschrieben – so wird es künftig auch Verkostungen dieses Spezialitäten geben.